Was zum ...

Eigentlich ist das ja mein persönlicher "Ich-nähe-gerne-hübsche-Sachen-Blog" - bisher habe ich auch noch nix weiter spannendes geschrieben. Aber es brennt mir einfach auf den Nägeln und ich MUSS MIR MAL LUFT MACHEN!


Ich bin 32 Jahre alt und gut ausgebildet, habe eine Berufsausbildung, ein Abitur, ein abgebrochenes Studium, ein Volontariat und einen Fachwirt. Ich habe die letzten 6 Jahre in einer doch recht verantwortungsvollen Position in einem bekannten  Münchner Unternehmen gearbeitet.

Außerdem bin ich noch verheiratet und habe zwei Kinder mit knapp 2 und 4 Jahren. Der Große geht in den Kindergarten und der Kleine hat ab September endlich einen Platz in der Krippe.

Eigentlich wollte ich bereits nach einem Jahr wieder in meinen alten Beruf einsteigen - aber wie das so ist, ich habe keinen Betreuungsplatz gefunden und ich konnte meine Stelle nicht antreten. Das Elterngeld war auch aufgebraucht, wir gerade in ein kleines Haus gezogen, um den Kindern und uns mehr Platz zu verschaffen.

Geil! Schon mal sehr, sehr geil! Ihr könnt euch vorstellen, das letzte Jahr war nicht gerade ein Zuckerschlecken. Leider sind wir nun mal nicht in der glücklichen Lage von einem Gehalt leben zu können - was in München und Umgebung aber auch eine absolute Seltenheit darstellt. Mal ganz abgesehen davon, dass ich einfach keine Zuhause-bleib-Mama bin - ich bin eine grottige Hausfrau und brauche auch mal anderen Input als von meinen Kindern (ohne irgendeine alternative Lebensweise abzuwerten, ich wünschte manchmal ich würde mir leichter tun mit dem Daheim-Bleiben). Aber sei's drum - an der Situation waren wir quasi selbst schuld, da wir, unglaublich, was wir uns da erlaubt haben, in eine andere Gemeinde gezogen sind. Und schon war keiner mehr für uns zuständig und in der neuen Gemeinde alle Plätze vergeben.

 

Aber ich schweife ab, das Betreuungsplatz-Problem ist ja ein anderes lustiges Problem mit dem wir junge, gut gebildeten Eltern uns so rumschlagen. Mir ging es heute um etwas anderes.

Eigentlich dachte ich, dass ich in meinen alten Job zurückkehren würde, nur eben ein Jahr später als geplant. Der Job ist nicht optimal, da ich 1,5 - 2 Stunden tägliche Fahrtzeit habe, aber es war immerhin MEIN Job, ein toller Job, mit tollen Projekten und einem wahnsinnig tollen Team, den ich echt geliebt habe. Doch, wie das so ist mit der Wirtschaftskrise und dem ganzen ökonomischen Zeug, wurde gerade ein Freiwilligen-Programm gestartet und mir ein Aufhebungsvertrag angeboten, den ich auch angenommen habe, da ich dachte, ich suche mir dann was in der Nähe, wo mir die Fahrtzeit wegfällt und ich so eine bessere Work-Life-Balance (toll oder!? Was ich für Wörter kenne) erreiche.

Ich mache meinem Arbeitgeber hier auch keinerlei Vorwurf, das möchte ich betonen. Das Angebot war mehr als fair und ich hoffe, dass ich so anderen Angestellten ihren Arbeitsplatz erhalten konnte.


Aber ich habe mich total verrechnet, was das Auffinden einer adäquaten Teilzeitstelle angeht. Ich war doch glatt so naiv anzunehmen, dass man als gut ausgebildete junge Frau einen Job finden könnte. Ha!

Es geht ja schon mal so los, dass es eigentlich schiet egal ist, was du als junge Frau im Lebenlauf angibst. Verheiratet, ledig, Kinder oder nicht - du bist eine Gefahr für deinen Arbeitgeber. Hast du noch keine Kinder, bist du dafür voll im Kinderschmeiß Alter und wanderst schon mal im Stapel runter. Eine Freundin von mir, noch besser ausgebildet, unfassbar engagiert und klug, hat 8 (!!!) Monate nach einem Job gesucht! In München! 31 Jahre alt, weiblich, studiert - fruchtbar.

Ich habe noch die Oberarschkarte: verheiratet, 2 Kinder, 32 Jahre - TEILZEIT

Gucken wir uns doch mal das Angebot an. Ich habe einfach mal eine beliebige Jobplattform für die Zahlen genommen. Diese werden sich nicht groß unterscheiden:

Jobs München: 48.933 Stellen

Jobs München Marketing: 5.429 Stellen

Jobs München Teilzeit: 3.825 Stellen

Jobs München Marketing Teilzeit: 61 Stellen

Das muss man sich echt mal auf der Zunge zergehen lassen!

Genauer hingeschaut sind hier aber auch Stellen dabei wie z.B. Sachbearbeiter Finanzbuchhalter, Personalsachbearbeiter, Debitorenbuchhalter, Frühstücksmitarbeiter, Küchenhilfe, um nur einige zu nennen. Was das mit Marketing zu tun hat, ist mir schleierhaft. Von den 61 Stellen Marketing-Teilzeit habe ich 28 Stellen gezählt, die tatsächlich etwas mit Marketing zu tun haben.

Das sind doch schon mal großartige Aussichten!

Und wenn es dann noch ein Arbeitsplatz sein soll, der nicht stundenlange Anfahrten erfordert - evt. sogar Familienfreundlich und flexibel ist.... tjaaaaa da schaut's aber ganz duster aus.

Aber auch außerhalb des Marketings finde ich die Zahlen durchaus krass. Von allen Münchner Stellen sind nur 7,8%, nicht mal 10% in Teilzeit ausgeschrieben.

 

Warum ist das so? Liest man nicht überall, dass eine Arbeitsteilung von Mannderl und Weiberl wünschenswert wäre. Dass es geradezu optimal wäre, wenn beide Partner 30 Stunden arbeiten? Liest man nicht auch überall, dass sich die Meinung ändert und es endlich anerkannt wird, was Mütter (meinetwegen bestimmt nicht alle, aber viele) in ihren Teilzeit Stunden leisten. Dass sie besser organisiert sind, dass sie motiviert sind, unter Druck arbeiten können, Multitaskingfähig sind, Ausgleichend, Fleißig und was weiß ich nicht noch alles.

Ich konnte das bei mir selbst durchaus auch beobachten. Als ich noch voll gearbeitet habe, habe ich bestimmt auch motiviert gearbeitet. Aber als ich nur noch in Teilzeit da war, tickte die Uhr einfach schneller, da wurde einfach viel fix durchgezogen ohne lang rumzutun. Dinge wurden erledigt, mein Ton war bestimmter, ich war selbstbewusster. Ich hatte immerhin die ersten 1,5 Jahre mit einem Kind überstanden, da schockt einen so schnell nix mehr.

 

Aber warum kommt gibt es nicht mehr Teilzeitstellen? In den Medien klingt immer alles so, als wäre es einfach heutzutage als Mutter wieder in den Job einzusteigen und dass die Unternehmen umdenken würden. Davon merke ich aber leider absolut nichts. Eine andere Freundin von mir gibt ihr Kind in ihrem Lebenslauf gar nicht erst an. Muss ich meine Kinder wirklich  geheim halten, um einen Job zu bekommen? Oder sollte ich ganz unverblümt in meinen Lebenslauf schreiben, dass mein Mann selbstständig und flexibel ist und wir zwei Paar wundervolle Großeltern in der Nähe haben, die auch mal einspringen, wenn's hart auf hart kommt. Aber sollte ein Arbeitgeber nicht davon ausgehen, dass ich mein Privatleben im Griff habe? Ein anderer Tipp war, sich ganz ohne Angabe der Familienverhältnisse auf Vollzeitstellen zu bewerben - und dann zu hoffen, dass man dort doch auch Teilzeit arbeiten könnte. Damit disqualifiziere ich mich doch sofort, da ich dem Personaler die Zeit stehle, weil ich ungenaue Angaben mache.

Und davon abgesehen, ganz ehrlich, will ich einen solchen Job dann haben? Für den ich erstmal lügen muss, meine Kinder geheim halten muss? Immerhin verbringe ich am Arbeitsplatz einen Großteil meiner Lebenszeit.

 

Ich würde wirklich gerne eure Meinung dazu hören. Ich hatte heute zugegebenermaßen einen verdammt schlechten Tag, aber das Thema setzt mir zu. Unser wirtschaftliches und mein mentales Überleben sind ja davon abhängig.

In München MÜSSEN in fast allen Familien beide Elternteile arbeiten - die Lebenshaltungskosten sind sonst nicht finanzierbar. Aber wo finden diese Mütter einen Job? Und ich rede nicht von der 450 € Stelle bei KiK - ich spreche von einer qualifizierten Teilzeitstelle, mit Verantwortung und vielleicht sogar eigenen Projekten. Oder sitzen die deswegen ewig in den gleichen Unternehmen, weil diese gesetzlich dazu verpflichtet sind, ihnen nach der Elternzeit eine Teilzeitstelle anzubieten? Haben Angst vor einem Wechsel und akzeptieren andere Aufgabengebiete und Beschneidungen ihrer Kompetenz und ihres Verantwortungsbereiches - alles schon gehört.

 

Dass ich früher oder später etwas finde, davon gehe ich aus. Ich bin Optimist und bisher noch nicht volle Breitseite auf den Boden der Tatsachen geknallt. Ich habe durchaus das Selbstbewusstsein zu sagen, dass ich etwas kann -  wo sich eine Türe schließt öffnet sich eine andere. Ein paar Türen sind zumindest schon mal einen klitzekleinen Spalt aufgegangen und da habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Aber muss es denn so hart sein?

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Kommentare: 4
  • #1

    Nicole (Montag, 27 Juli 2015 06:37)

    Ach Nici,
    ich kann dich absolut verstehen. Gefühlt und absolut objektiv ist es aber mit 26, verheiratet, einem Kind 4,5 Jahre (abgeschlossene Familienplanung) in Hamburg auch Vollzeit nicht einfacher.

    Anscheind gibt es auf meinen Bewerbungen einen nur für Personaler sichtbaren Stempel. Da interessiert es nicht ob alles vernünftig organisiert ist und bereits 3,5 Jahre funktioniert hat.

    Eine Lösung oder ein Patentrezept habe ich leider auch nicht

    Lieben Gruß
    Nicole

  • #2

    Nici (Montag, 27 Juli 2015 10:11)

    Hallo Nicole, neee Vollzeit ist bestimmt genauso schwierig - du hast ja ein Kind drin stehen und bist immer noch im Wurffähigen Alter. Außerdem - wie du willst Vollzeit arbeiten? Du bist doch Mutter? Das geht doch nicht *AchtungIronie*
    Wir zwei beide werden schon was tolles passendes finden - und dann werden wir ganz laut LACHEN! HA!

  • #3

    Nicole (Dienstag, 28 Juli 2015 00:18)

    Genau so machen wir das

  • #4

    Maria (Mittwoch, 11 Mai 2016 20:50)

    Liebe Nici, der Beitrag ist schon ein paar Monate alt (fange gerade erst an in deinem Blog zu stöbern) aber vermutlich so aktuell wie eh und je.
    Genau das Gefühl das du beschreibst, habe ich auch oft : von Medien und Politik wird uns die schöne neue Welt vorgegaukelt in der auch für Frauen alles möglich ist - aber die Wirklichkeit ist ernüchternd unflexibel.
    Ich bin auch nicht die geborene Daheim-Mama, dafür liebe ich meinen Beruf zu sehr, die Anerkennung, die Herausforderung, alles.
    Stellen und Arbeit gibt's für mich in und um München reichlich - aber zu unmöglichen Konditionen, typisch für einen Frauenberuf: viel Verantwortung, kleines Geld, jederzeit abrufbar oder Schichtdienst, der ganz super zu den Öffnungszeiten der KiTas passt. Teilzeit? Klar! Mit allen genannten Nachteilen aber dann noch weniger Geld, das dann gerade die Kinderbetreuungskosten deckt.
    Mein persönlicher Ausweg ist jetzt die Weiterentwicklung mittels Studium. Aber ob mich das weiter bringt oder am Ende glücklich macht, steht völlig in den Sternen.
    Die Lösung habe ich also auch nicht. Aber wenigstens sind wir nicht allein...
    LG Maria